Denkmalschutz und Denkmalpflege

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Denkmalschutz und Denkmalpflege

Im Denkmal lesen - die Bauforschung

Sicher, jedes denkmalgeschützte Gebäude erzählt eine Geschichte. Aber man muss sie schon zu lesen wissen. Und dabei steht manches Kapitel nicht mal im Gebäude selbst, sondern in den Archiven.

Meister im Entziffern dieser Geschichtsspuren ist die Bauforschung. Sie klärt Fragen zur Baugeschichte, zu Bauphasen und -materialien oder zu den eingesetzten historischen Techniken. Je mehr man über ein Gebäude weiß, desto leichter fallen die Entscheidungen zum Umgang mit dem Denkmal. Diese zum Teil detektivische Kleinarbeit gibt Planungssicherheit, senkt die Kosten und erspart unliebsame Überraschungen.

So arbeitet die Bauforschung:

Haus Wiek in Albachten Haus Wiek in Albachten im restaurierten Zustand.

Fotografische Dokumentation

Der repräsentative Anspruch des einstigen Adelssitzes „Haus Wiek“ in Albachten ist vor Beginn der Restaurierungsarbeiten nur zu erahnen.
Ein Rundgang mit der Kamera schafft einen ersten Überblick und zeigt, wo man im Detail hinschauen sollte.
Auffällig sind bei dem 1612 gebauten Haus unterschiedliche Steinmaterialien, Baunähte oder zugemauerte Fenster. Was verraten uns diese Spuren über seine Baugeschichte?

Zeichnung: Aufmaß als Schnitt

Zeichnerisches Aufmaß

Ein Aufmass muss detailliert sein. Der Längsschnitt durch das Bauernhaus am Schmitthausweg zeigt das Fachwerksystem mit allen Holznägeln, Zapflöchern, Blattsassen und Abbundzeichen, verschiedene Konstruktionsdetails der Zimmermannskunst. Wie ein Puzzle setzt die Bauforschung diese Spuren zusammen. Ein Ergebnis: Der ältere Teil dieses Fachwerkhauses wurde 1664 verzimmert.

Durch Kartierung werden verschiedene Materialschichten sichtbar.

Materialkartierung

Haus Kleine Getter ist der Landsitz einer Erbmännerfamilie, die sich 1642 in Amelsbüren ein neues großes Fachwerkhaus errichtete. Ungewöhnlich ist der große Saal mit eigenem Kaminblock, bei dem eine Vielzahl von Bau- und Veränderungsspuren zu entdecken sind.

Die Kartierung der historischen Materialien macht die Putz- und Malschichten erkennbar. Die grünen Schrägen im oberen Drittel zeigen die Zäsur im ältesten Putz von 1664, die offenbar die ehemalige Kaminhaube zeigt. Das heißt: Haus Kleine Getter hatte schon im 17. Jahrhundert einen Saal mit Kamin und Kaminhaube.

Die Urkatasterkarte zeigt die Lage des Hauses Kleine Getter.

Archivforschung und naturwissenschaftliche Untersuchungen

Nicht alles ist aus den Bauspuren eines Hauses zu lesen. Deshalb recherchiert die Bauforschung regelmäßig auch im Archiv, wertet zum Beispiel die Urkatasterkarte aus. Außerdem setzt sie auf naturwissenschaftliche Methoden, wie auf die Dendrochronologie. Mit dieser Jahresringe-Analyse kann man feststellen, wann die Holzstämme gefällt wurden, die in einem Haus verbaut sind. So wurden die Fachwerkhölzer für das Buernhaus am Schmitthausweg 1663 gefällt und daher 1664 verzimmert, wie das Gutachten belegt.