Im
April und Mai 1994 fand in Ruanda eines der größten Massaker in der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt. Etwa 800.000 Angehörige der
Volksgruppe der Tutsis wurden von extremistischen Hutu-Milizen umgebracht.
Das Massaker war weder spontan noch unvorhersehbar. Schon 1992 und 1993
waren mehrere Massaker an Tutsi und nichtextremistischen Hutus verübt
worden. Waffenlieferungen vor allem aus Europa in großem Umfang an die
Hutu-Milizen waren in den Monaten vor dem Massaker registriert worden.
Die Haltung der internationalen Staatengemeinschaft war
während des gesamten Prozesses zögerlich und widersprüchlich. So wurde
z.B. die Zahl der bereits im Land stationierten UN-Truppen unmittelbar
nach Beginn des Konfliktes von 4500 auf 270 Soldaten verkleinert. Die
Auswirkungen des Konfliktes auf die gesamte Region, eines der fruchtbarsten
und dichtbesiedelsten Gebiete Afrikas, bestehen in einer nachhaltigen
Destabilisierung. Allein die etwa 2 Millionen Flüchtlinge verursachen
große wirtschaftliche und politische Probleme in Ruanda selbst sowie
Nachfolgekonflikte in den Nachbarländern.
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