Manfred Sorg, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen
Der Weg der Ökumene ist um der Menschen und der Kirchen willen unumkehrbar

Präses Manfred Sorg

"Als Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen habe ich angesichts des diesjährigen 350. Jubiläums des Westfälischen Friedens die Vision, daß es nicht nur in Europa nie mehr zu einem auch religiös-motivierten Krieg kommen wird, soll und muß.

Diese Vision basiert auf der Realutopie eines friedlichen, toleranten und verständnisvollen Miteinanders der Konfessionen und Religionen, der Nationen und Ideologien. Zugleich hat diese Vision ihren Realgrund in den positiven ökumenischen Erfahrungen, Aufbrüchen und Entwicklungen dieses zu Ende gehenden 20. Jahrhunderts: Dabei denke ich beispielhaft an die ökumenische Bewegung, die Vollversammlungen des Ökumenischen Rates der Kirchen, die Gründung und Aktivitäten der zahlreichen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen in Deutschland und vor dem Hintergrund des Westfälischen Friedens an die Annäherung zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche speziell in Deutschland, die sowohl durch das II. Vatikanische Konzil als auch durch die positiven praktischen Erfahrungen auf der Gemeindeebene zustandegekommen ist.

Diese meine Vision beinhaltet zugleich eine Verpflichtung: Ich meine die Verpflichtung, den erreichten Stand der ökumenischen Verständigung und Kooperation weiterzuführen und zu vertiefen. Der Weg der Ökumene ist um der Menschen und der Kirchen willen unumkehrbar. Diesen wichtigen Weg weiterzubeschreiten bedeutet für alle beteiligten Christen, Konfessionen und Kirchen immer auch eigene Veränderungsbereitschaft. Dabei sollten wir weniger auf die Skeptiker und Pessimisten hören, sondern denen vertrauen und folgen, die auch neue Wege des ökumenischen Miteinanders gehen und dabei eine tiefe Bereicherung für sich und andere erleben. So brauchen wir prophetische Visionen und Impulse und eine größere Bereitschaft ihnen auch zu folgen, um die ökumenische Bewegung aus ihrer heute manchmal zu beobachtenden Lethargie herauszuholen, um die Realutopie eines friedlichen, toleranten und verständnisvollen Miteinanders der Menschen und Kirchen verwirklichen zu können."

Manfred Sorg, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen


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