Die Zeitmaschine
zum Westfälischen Frieden

Beim "Zweiten Prager Fenstersturz" am 23. Mai 1618 wurden zwei kaiserliche Beamte von unzufriedenen protestantischen Verhandlungspartnern aus dem Fenster geworfen - auf einen Karren voll Mist. Die Revolte des protestantischen Adels in Böhmen richtete sich gegen den katholischen Herrscher, den Habsburger Kaiser Ferdinand II. Der "Erste Prager Fenstersturz" am 30. Juli 1419 hatte den Beginn der Hussitenkriege markiert.
Die Truppen der "katholischen Liga" unter Tilly besiegten die des "Winterkönigs" Friedrich V. von der Pfalz; in der Folge wurde Bayern mit der pfälzischen Kurwürde belehnt und bekam die Oberpfalz zugesprochen.
Christian von Braunschweig (1599-1626), der "tolle Christian", war Parteigänger Friedrichs V. und führte für diesen ein Heer. Er wurde von Tilly bei Höchst (1622) und Stadtlohn (1623) geschlagen.
Johann Tserclaes, Reichsgraf von Tilly (1559 -1632), war der zweite große Feldherr Ferdinands II.
Albrecht von Wallenstein (1583-1634) war als Feldherr im Dienste Ferdinands II. erfolgreich. Er hatte 1625 aus eigenen Mitteln ein Heer für den Kaiser aufgestellt. Die Besonderheit dieses Heeres war, daß es sich aus den besetzten Gebieten und Kriegsbeute selbst erhielt und den Kaiser wenig kostete.
Das Restitutionsedikt hätte im Fall seiner Realisierung zu schweren Verlusten der Protestanten geführt.
Gustav Adolf begründete sein Eingreifen in den Krieg mit der Wahrung des protestantischen Glaubens und der ständischen Libertät. Die Schweden fühlten sich auch durch die (von Wallenstein betriebenen) Pläne zu einer habsburgischen Ostseeflotte bedroht, die letztlich am Widerstand Stralsunds scheiterten.
Wallenstein hatte unter den Kurfürsten mächtige Gegner, die auf dem Kurfürstentag seine Entlassung durchsetzten.
Mit dem Vertrag von Bärwalde, 23. Januar 1631, beteiligte sich Frankreich unter Kardinal Richelieu finanziell an der Kriegsführung Schwedens.
Tilly wurde in der Schlacht bei Rain am Lech am 15. April 1632 tödlich verwundet.
Gustav Adolf fiel in der Schlacht bei Lützen am 16. November 1632.
Wallenstein hatte mit Schweden, Brandenburg und Sachsen eigenmächtig Verhandlungen begonnen. Der Kaiser bezichtigte ihn offen des Hochverrats und entließ ihn am 22. Februar 1634. Drei Tage später wurde Wallenstein in Eger von kaiserlichen Offizieren ermordet.
Der "Heilbronner Bund" Schwedens mit den protestantischen Fürsten von 1633 konnte sich nicht weiter auswirken, weil Schweden nach dieser Niederlage seine Stellungen in Mittel- und Süddeutschland aufgeben mußte.
Im Juni und Juli 1634 belagerte Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg mit lüneburgischen, schwedischen und hessischen Truppen die Stadt Münster. Sein Hauptquartier hatte er in Amelsbüren. Die Belagerung wurde Mitte Juli erfolglos abgebrochen. Diese Belagerung sollte die stärkste Bedrohung Münsters bis zur Erklärung der Neutralität bleiben. Das Umland allerdings wurde vollständig "verheert".
Am 30. Mai 1635 wurde der Prager Friede zwischen dem Kaiser, der "Liga" und Sachsen geschlossen, dem sich in der Folgezeit fast alle Reichsstände anschlossen.
Frankreich hatte Spanien am 19. Mai 1635 den Krieg erklärt, mit dem Ziel, sich von der "Umklammerung" durch habsburgische Herrscher in Deutschland und Spanien zu befreien. Die Kriegserklärung an den Kaiser kam erst im März 1636. Der Kampf hatte damit seine konfessionelle Komponente eingebüßt - das katholische Frankreich hatte sich mit dem protestantischen Schweden verbündet.
Auf dem Kurfürstentag in Regensburg wurde König Ferdinand von Ungarn zum römischen König und damit als Ferdinand III. zum Kaiser und Nachfolger seines Vaters gewählt.
Im Präliminarvertrag vom 24. Dezember 1641 stimmte der Kaiser zu, die Städte und ihre Straßenverbindung für neutral zu erklären. Im katholischen Münster wollte der Kaiser mit Frankreich verhandeln. Im protestantischen Osnabrück sollten Verhandlungen mit Schweden geführt und Probleme der Reichsverfassung geklärt werden.
Münster und Osnabrück wurden am 27. Mai 1643 von Reichshofrat Johann Krane für neutral erklärt. Münster war für die Zeit der Neutralität von den Verpflichtungen gegen den Kaiser und die fürstbischöfliche Landesregierung entbunden.
Fabio Chigi (1599-1667) stammte aus Siena und kam, von Papst Urban VIII. als Vermittler geschickt, am 23. Dezember 1643 nach Münster. Zuvor war er als päpstlicher Nuntius in Köln tätig. 1655 wurde er als Alexander VII. zum Papst gewählt.
Alvise Contarini (1597-1651) entstammte einer venezianischen Adelsfamilie und war seit 1623 in verschiedenen europäischen Ländern als Botschafter der Republik Venedig, ab 1632 Gesandter der Römischen Kurie in Istanbul. Er kam am 16. November 1643 nach Münster.
Diese Niederlage am 6. März 1645 machte einen endgültigen Sieg des Kaisers unwahrscheinlich und gilt als Wendepunkt des Krieges. Von jetzt an waren alle Beteiligten an einem baldigen Ende des Krieges interessiert.
Henri II. de Bourbon-Orleans, Duc de Longueville (1595-1663) kam am 30. Juni 1645 als Leiter der französischen Mission nach Münster.
Maximilian Graf von Trauttmansdorff (1584-1650) kam am 25. November als Unterhändler des Kaisers nach Münster, versehen mit schriftlichen Geheiminstruktionen und weitreichenden Sondervollmachten.
Seit Ende 1645 war Karl Gustav Wrangel schwedischer Oberbefehlshaber. Er eroberte und zerstörte Rüthen und am 12. Mai 1646 Paderborn. Die Truppen des schwedischen Generals Hans Christoph Königsmarck nahmen Lemgo, Marsberg und Wiedenbrück ein, Warendorf wurde belagert, Rheine besetzt.
Am 26. Juli 1646 zog Geneviéve, die zweite Ehefrau des Duc de Longueville, mit großem Pomp in Münster ein. Sie sollte bis zu ihrer Abreise am 27. März 1647 die First Lady des gesellschaftlichen Lebens bleiben.
Der letzte größere Waffenstillstand des Krieges wurde am 14. März 1647 zwischen Wrangel und Turenne auf der schwedisch/französischen Seite und Maximilian von Bayern auf der kaiserlichen Seite geschlossen, von Maximilian aber bald wieder gebrochen.
Joseph de Bergaigne (geb. 1588) war Bischof von s’ Hertogenbosch und Erzbischof von Cambrai. Er nahm als Bevollmächtigter des spanischen Königs an den Friedensverhandlungen in Münster teil. Am 24.Oktober 1647 starb er in Münster an den Folgen eines falsch behandelten Beinleidens.
Der Stadtarzt Bernhard Rottendorff hatte seinen Friedensappell bereits im Jahr zuvor in lateinischer Sprache veröffentlicht und gab ihn jetzt in einer deutschen Fassung heraus. Rottendorff war eine zentrale Figur im Stadtleben: In seinem Hause war der schwedische Resident Schering Rosenhaene untergebracht, er unterhielt eine enge Beziehung zu Fabio Chigi, und er war bei den meisten Friedensgesprächen anwesend.
Der spanisch-niederländische Friede beendete den 80 Jahre andauernden Kampf der Niederländer um ihre Unabhängigkeit.


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