Jubelmesse wie vor 350 Jahren

Musik des Dankgottesdienstes vom Sonntag, 25. Oktober 1648, wird neu aufgeführt

Als am Abend des 24. Oktober 1648 alle Gesandten die Verträge für den Westfälischen Frieden unterzeichnet hatten, begann Europa aufzuatmen. Schon am Morgen des nächsten Tages fand im St. Paulus-Dom zu Münster eine "Jubelmess...", ein Gottesdienst zur Danksagung, statt. Die Neuaufführung der Musik dieser Messe am Sonntag, 25. Oktober 1998, auf den Tag genau 350 Jahre später, ist ein Ereignis mit dem wohl engsten Bezug zum Friedensschluß.

Damals hinterließen Augen- und Ohrenzeugen der historischen "Jubelmess" zwar Berichte etwa über ein vielstimmiges "Te Deum" oder ein mehrfaches "Abbrennen der Stücke" (Abfeuern der Geschütze auf den Stadtwällen) während der Feier, niemand aber protokollierte den genauen Ablauf. Für die Rekonstruktion waren Dokumente des Domarchivs von Bedeutung - insbesondere die Gehaltslisten der Dommusiker lassen Schlüsse darauf zu, auf welchen Instrumenten die Musiker gespielt und sogar wo sie bei der Aufführung im Dom gestanden haben.

Musik auf historischen Instrumenten Neben den Fanfaren der Heertrompeter, die vor den Gesandten in den Dom einzogen, über die liturgische Ordnung der Messe bis zum abschließenden Feuerwerk ist nicht jedes Detail und jedes Musikstück, das 1648 gespielt wurde, exakt festzustellen. Bei der Neuaufführung wird die Liturgie des bis ins 18. Jahrhundert gebräuchlichen Münsterschen Meßbuches Verwendung finden. Als Musik zur Messe erklingt ein "ordinarium missae" des römischen Komponisten Giacomo Carissimi. "Es ist durchaus möglich, daß die "Jubelmess" genauso geklungen hat - Carissimis Messe wurde in Köln gedruckt und paßt genau zur Besetzung der Dommusiker, wie sie in den Gehaltslisten genannt werden," erklärt Andreas Sprinz, Musiker und Organisator des Projektes.

Auch für die anderen musikalischen Teile der Feier wurden Stücke ausgewählt, die in der Mitte des 17. Jahrhunderts gebräuchlich und den Musikern in Münster zugänglich waren. Die Instrumentalmusik wird von Mitgliedern der "Neuen Capelle des Fuerstbischofs zu Muenster" auf historischen Instrumenten ausgeführt. Neben Violinen und Posaunen kommen Zinken (Instrument mit Grifflöchern und trompetenähnlichem Mundstück) und Dulciane (Ur-Fagott) ebenso zum Einsatz wie ein Violone (Baß), zwei Lauten und zwei Orgeln. Aus der "Neuen Capelle" kommen auch acht der Sänger und die zehn "Heertrompeter". Die Domkameralen, die 1648 die gregorianische Liturgie sangen, werden durch das "Ensemble Canticum" aus Essen vertreten. "Alle beteiligten Musiker sind international tätige Spezialisten für alte Musik," betont Andreas Sprinz den hohen Anspruch des Vorhabens.

Zwei Orgeln wie 1648 Auch bei der Plazierung der Musiker in der Kirche hält sich die Rekonstruktion an die alten Quellen: An den Originalplätzen von 1648 werden im St. Paulus-Dom Podien für die beiden historischen Orgeln und die Musiker aufgestellt. Die Salutschüsse während der Messe werden draußen vor dem Dom nachgeahmt durch die Pyrotechniker, die auch für das abschließende Barockfeuerwerk zuständig sind. Während des leuchtenden Spektakels spielen Mitglieder der "Neuen Capelle" eine Feuerwerksmusik.

Die "Jubelmess zvr Dancksagung wegen dess voellig beschlossenen unnd von allerseits hohen Potentaten selbst ratificirt und angenommenen allgemeynen Friedens" - so der vollständige Titel des Projektes - wird unterstützt von der Stadt Münster, dem Land Nordrhein-Westfalen und privaten Firmen, allen voran der WGZ-Bank. Zur Aufführungsreife gebracht wurde das Projekt durch das Konzertbüro "tonart" in Zusammenarbeit mit der französischen Gesellschaft "Le Concert Brisé" und der niederländischen Stiftung "Utrecht Moderna".

Dokumentation auf CD-X Für die Aufnahmen der CD zur "Jubelmess..." wurde im niederländischen Zutphen eine Orgel von Hans Heinrich Baader, dem Erbauer der alten münsterschen Domorgel, ausfindig gemacht. Die CD wird als auch im Computer lesbare CD-X mit Bild- und Tondaten im modernsten 3D-Verfahren aufgenommen und erscheint im Sommer 1999. Sie kann nach der Veranstaltung am 25. Oktober zum Subskribtionspreis vorbestellt werden.

Die "Jubelmess.." am 25. Oktober im St. Paulus-Dom zu Münster beginnt um 20 Uhr. Am Eingang wird ein Programmheft mit dem Messtext erhältlich sein. Der Eintritt zur Messe und zum anschließenden Feuerwerk ist frei. Am Ausgang wird um eine Kollekte für die multiethnischen und multireligiösen "Schulen für Europa" des Hilfswerkes "Renovabis" in Sarajevo, Tuzla und Zenica gebeten.


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