Rede von Bundespräsident Roman Herzog anläßlich des 350jährigen Jubiläums des Westfälischen Friedens in Münster am 24. Oktober 1998

Bundepräsident Herzog

 

Die vollständige Rede des Bundespräsidenten zum Download im Format WinWord 6.0:

Kurzfassung der Rede:

Anläßlich des 350jährigen Jubiläums des Westfälischen Friedens sagte Bundespräsident Roman Herzog am 24. Oktober 1998 in Münster:

"Wir dürfen Tod und Vertreibung im Kosovo nicht als ein Stück europäischer Normalität hinnehmen. Indifferenz gegenüber Genozid zerstört die Grundlagen dessen, was die eigene Gesellschaft zusammenhält: das gemeinsame Verständnis von Recht und Moral. Europa würde an seiner Seele Schaden nehmen, wenn es Völkermord und ethnische Säuberungen auf seinem Boden hinnähme."

"Angesichts der Bilder frage ich: Müssen wir, müssen nicht auch die Völkerrecht setzenden Organisationen, wie die Vereinten Nationen, hier neue Wegen gehen? Erleben wir in diesen Tagen nicht vielleicht die Entstehung neuen Völkerrechts?"

"Europa muß auch nach außen handlungsfähig werden, das heißt: nicht nur mit Worten, sondern auch mit gemeinsamen Taten; nicht nur reagierend, sondern auch vorbeugend; nicht erst in Krisen, aber gerade auch dann!"

"Nur als Teil Europas haben die einzelnen Staaten heute noch genügend Gewicht, um ihre Völker vor Unheil zu schützen und auf die großen überstaatlichen Entwicklungen und Entscheidungen wirklich einzuwirken, ob es dabei um neue Finanzordnungen in der Weltwirtschaft geht, um die globale Friedenssicherung, um die Ausarbeitung internationaler Sozialstandards oder um Fragen eines weltweiten Umweltschutzes."

"Es ist an der Zeit für eine gesamteuropäische Geschichtsschreibung. Vor uns steht die Aufgabe der Europäisierung von Bildung und Kultur".

"Mehr als bisher müssen wir daran arbeiten, daneben auch eine europäische Öffentlichkeit zu schaffen, in der Grundsatzfragen über Landesgrenzen hinweg diskutiert werden. Die Aufträge an die Brüsseler Experten müssen in einer breiten europäischen Debatte formuliert und vorgegeben werden - und nicht umgekehrt."

Den Westfälischen Frieden bezeichnete der Bundespräsident als "eine Geburtsstunde der modernen Diplomatie, das erste Beispiel für eine Zusammenarbeit fast aller europäischer Staaten. Der verheerende Krieg hatte die Staaten Europas davon überzeugt, daß nur eine Ordnung, in die alle eingebunden waren, den Kontinent auf Dauer vor ähnlichen Katastrophen schützen konnte."

"Die Sicherheit und die demokratische Ordnung, die wir heute genießen, sind keine Selbstverständlichkeit. Sie beruhen auf Institutionen, die aus der Erfahrung furchtbaren Leids gewachsen sind. Nur wer um die Schrecken von Chaos und Krieg weiß, erkennt wirklich den Wert von Frieden und Freiheit und der sie tragenden Institutionen.


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